Warum schlägt Etsy Umsatzsteuer auf digitale Artikel auf?

Wenn du in Deutschland als Kleinunternehmer registriert bist und digitale Artikel zum sofortigen Download auf Etsy anbietest, fragst du dich genau das vermutlich.

Die Erklärung ist aber relativ einfach und erspart dir tatsächlich eine ganze Menge Arbeit und Kopfzerbrechen.

Etsy vereinfacht damit die Abrechnung der Umsatzsteuer für digitale Artikel und ermöglicht es allen Verkäufern, einfach und ohne große Bürokratie ihre digitalen Artikel zum Sofort-Download überall anzubieten.

Rechtslage: Berechnung von Umsatzsteuer auf digitale Artikel in der EU

Seit dem 1.1.2015 gilt, dass innerhalb der EU die Umsatzsteuer für digitale Artikel zum sofortigen Download vom Land des Käufers bestimmt wird. In Deutschland also derzeit 16%, in Österreich 20% etc.

Als Verkäufer musst du diese Umsatzsteuer dann im jeweiligen Land anmelden. 

Dein Status als Kleinunternehmer gilt nur innerhalb Deutschlands. Du musst also trotzdem in allen anderen EU-Ländern, in die du etwas verkauft hast, die Umsatzsteuer abführen. Dafür gibt es eine zentrale Stelle namens MOSS (Mini One-Stop-Shop), bei der du vierteljährlich die Anmeldung der Beträge durchführen musst. 

Anfangs gab es dafür keine Untergrenze, du musstest das ab dem 1. Cent tun. (Inzwischen gibt es eine Untergrenze, siehe unten) 

Wichtig ist, dass dem Käufer auch die jeweils richtige Umsatzsteuer angezeigt wird. Also 16% in Deutschland, 20% in Österreich etc.

Und: das gilt nicht nur für Verkäufer innerhalb der EU sondern für alle, die in die EU hinein verkaufen.

Probleme durch diese Regelung für Etsy

Etsy stand damit Anfang 2015 vor einigen Problemen:

  • wie können Verkäufer die verschiedenen Umsatzsteuern anzeigen?
  • Soll man ein Tool schaffen, dass den Verkauf von digitalen Artikeln auf bestimmte Länder einschränkt?
  • Was ist mit den Verkäufern außerhalb der EU? Wie können die wieder in die EU verkaufen?
  • Bei Nichterfüllung von Verkäuferpflichten stand Etsy erstmal als der Schuldige da, nicht der jeweilige Verkäufer.

Anfang 2015 war es so, dass Etsy jedem Verkäufer das selbst auferlegt hat, die jeweilige Umsatzsteuer abzuführen. Da man aber nicht verschiedene Preise angeben kann, hat das dazu geführt, dass die Verkäufer unterschiedliche Gewinnmargen hatten. Auch konnten viele Verkäufer aus dem Nicht-EU-Raum nicht mehr in die EU verkaufen – zumindest nicht ohne komplizierte Registrierung als Steuerzahler in einem EU-Land. Allerdings gab es keine Möglichkeit, diese Verkäufe wirklich zu unterbinden. Du kannst dir den Aufschrei der Verkäufer vermutlich vorstellen. Und die Menge an Gewinn, die Etsy auf Dauer entgangen wäre. 

Etsys Lösung

Etsy hat dann beschlossen, dass sie das Berechnen der Umsatzsteuer und auch das abführen der Umsatzsteuer für die Verkäufer übernehmen. Damit tritt Etsy als Zwischenhändler auf. Bei digitalen Artikeln mit sofortigem Download bekommt der (EU-) Kunde von Etsy eine richtige Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer. Als Verkäufer stellt man keine eigene Rechnung an den Endkunden aus für diese Verkäufe. 

Etsy ist als Gesamtschuldner dieser Umsatzsteuer zu sehen und die Umsätze von Etsy liegen natürlich weit oberhalb jeder Kleinunternehmerregelung. Damit fällt auch innerhalb von Deutschland Umsatzsteuer an, egal wie dein eigener Status ist.

Vereinfacht kann man sich das so vorstellen:

Du verkaufst deine digitalen Artikel zum Sofort-Download an Etsy. Etsy verkauft sie dann weiter.

Dem Verkäufer erspart das die umständliche Anmeldung von Umsatzsteuer in im Zweifel 28 EU-Ländern. Dafür werden auch im Inland die gültigen Umsatzsteuersätze aufgeschlagen.

Nebenbei: die gleiche Variante verwenden auch große Anbieter für digitale Inhalte wie z.B. Digistore24. 

Was heißt das praktisch für Kleinunternehmer?

Als Kleinunternehmer bist du gehalten, deinen Kunden auch darauf hinzuweisen, dass dein Preis ohne Umsatzsteuer ist. Da Etsy aber bei sofortigen Downloads immer die Umsatzsteuer aufschlägt, wäre das eine falsche Information. 

Diese beiden Möglickeiten gibt es für dich:

Entweder:
Du verzichtest auf die Option des sofortigen Downloads und bietest deine Artikel nur als Mailversand an. Dann schlägt Etsy keine Umsatzsteuer auf und deine Angaben stimmen wieder. Du hast allerdings mehr Arbeit und dir entgehen eventuell Kunden oder deine Kunden sind wegen der Wartezeiten unzufrieden. 

Oder:
Du weißt in den Angeboten mit sofortigem Download darauf hin, dass DU zwar Kleinunternehmer bist, Etsy als Reseller aber die Umsatzsteuer aufschlägt. 
Diese Variante erspart dir Arbeit und ist mit deinen AGB konform. Laut IT-Recht Kanzlei ist das so möglich (Stand 15.09.2020).

Umsatzsteuer auf digitale Artikel bei Etsy
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MOSS-Untergrenze seit 2019

Wie oben schon erwähnt gibt es inzwischen eine Untergrenze für die Anmeldung über das MOSS-Verfahren, ähnlich dem Kleinunternehmerstatus. Wenn die beiden folgenden Vorraussetzungen erfüllt sind, dann kann die Umsatzsteuer für Verkäufe an private Kunden wieder im Land des Verkäufers entrichtet werden:

  1. Der Verkäufer (Einzelperson oder Unternehmen) ist nur in einem EU-Land ansässig und
  2. Der Gesamtbetrag ohne Mehrwertsteuer der an Privatleute im EU-Ausland verkauften Dienstleistung und digitalen Artikel liegt unter 10.000 EUR im laufenden Jahr und im vorherigen Jahr.  

Diese Grenze ist unabhängig von deinem Status als Kleinunternehmer in Deutschland. Sie gilt auch für umsatzsteuerpflichtige Verkäufer. Du solltest die aber für Verkäufe außerhalb von Etsy trotzdem im Blick behalten. 

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